Reise in die Anderswelt

Seit Anbeginn der Zeit führen Schamanen auf der ganzen Welt schamanische Reisen in die Anderswelt durch. Mithilfe von Ritualen und schamanischen Utensilien versetzen sie sich dafür in einen Trance-Zustand, der es ihrem Geist erlaubt, den Körper zu verlassen und in die Geisterwelt einzutreten. In unserem Artikel erklären wir, warum die schamanische Reise in die Anderswelt eine der wichtigsten Praktiken des Schamanismus darstellt, wie diese Reise abläuft und auch wie die Anderswelt aufgebaut ist und von uns wahrgenommen wird.

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Inhaltsverzeichnis
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Die schamanische Reise in die Anderswelt

Den Schleier zwischen der tatsächlichen Wirklichkeit und der Welt der Geister zum ersten Mal zu durchschreiten, ist ein erstaunliches Gefühl, das einen nie wieder loslässt. Die irdische Hülle verweilt in der physischen Welt, während die Seele auf Wanderschaft geht. Hinein in unbekannte, sich ständig verändernde Landen. Dorthin, wo die Seelen der Verstorbenen leben, wir in Kontakt zu unseren Ahnen treten können. Es ist das Land der Tiergeister, der Naturgeister und auch der Thron der Götter. Eine Reise in die Anderswelt verbindet uns mit der Urkraft der Erde und mit dem Kosmos selbst. Mit jeder Reise lernen wir uns selbst besser kennen und schöpfen neue Kraft, finden neue Verbündete. Die Anderswelt lehrt uns das Leben zu meistern und die dort hausenden Wesenheiten und Spirits spenden Rat und Trost.
IACFS Schamanismus Ausbildung - Schamane in traditionellem Gewand sitzt vor Rauch

Was ist die schamanische Anderswelt?

Die Wirklichkeit ist nur ein Teil der Welt, die uns umgibt. Doch was liegt dahinter? Auch wenn wir in der westlichen Zivilisation gelernt haben, uns auf die materielle und mit den Sinnen erfahrbare Welt zu fokussieren, so vermochten unsere Vorfahren sehr wohl hinter die Schleier dieser Wirklichkeit zu blicken. Dort fanden sie die Anderswelt – die Welt der Spirits und der Ahnen. Eine Welt, die bis heute für viele indianische Kulturen ebenso real und greifbar ist, wie sie es für unsere Vorfahren war. Diese Geisterwelt ist beseelt mit den unterstützenden und heilenden Spirits aller Dinge. Götter, Ahnen, Tiergeister und uralte Lehrmeister sind in diesen fernen Gefilden wahrnehmbar und vor allem kontaktierbar. Dies mag in den Ohren vieler nach Fantasiegeschichten klingen, doch nur, da wir uns in der westlichen Gesellschaft schon lange von der spirituellen Welt abgewandt haben und diese als unwahr abtun. Wir haben verlernt, die Anderswelt wahrzunehmen oder sie gar zu betreten. Diese nicht alltägliche Wirklichkeit befindet sich hinter den Grenzen der stofflichen Welt und ist durch eine schamanische Reise im Geiste erreichbar. Zeit und Raum spielen dort keine Rolle. Vergangenheit und Zukunft legen sich übereinander und räumliche Distanzen – wie groß sie auch sein mögen – können in einem Wimpernschlag zurückgelegt werden. In einigen Kulturen wird die Anderswelt mit dem religiösem Konstrukt von Himmel und Hölle gleichgesetzt. Für unsere Vorfahren hatte es andere Namen wie Walhalla, Elysion oder das andere Land. Zu Letzt bleibt noch zu sagen, dass eine Reise in die Anderswelt immer auch einer Reise in unsere Seele gleichkommt.

Das Dreiwelten-Modell: Aufbau der schamanischen Anderswelt

Auch wenn die Anderswelt je nach Kultur feine Unterschiede vorzuweisen hat, so ist der grundlegende Aufbau stets der selbe. Die Geisterwelt basiert auf einem Dreiwelten-Modell, ähnlich den germanischen Vorstellungen von Asgard, Midgard und Utgard und setzt sich aus drei Ebenen zusammen, die miteinander verbunden sind. Die Übergänge zwischen den Welten sind fließend. Diese spirituelle Wirklichkeit ist demnach in eine obere Welt, eine mittlere Welt und eine untere Welt geteilt, wobei man im Zuge einer schamanischen Reise immer zuerst die mittlere Welt betritt. Von dort aus sind für Schamanen Reisen in die obere und untere Welt möglich. Interessant ist, dass jeder Reisende die Anderswelt unterschiedlich wahrnimmt. Dabei spielen die Erfahrungen und Erlebnisse unseres irdischen Daseins eine große Rolle. Was wir in der Anderswelt sehen, manifestiert sich sozusagen aus unserer menschlichen Erfahrungswelt. Darüber hinaus verändert sich das Abbild der Anderswelt mit jedem Besuch. Die Umgebungen werden mit jeder Reise detailreicher und man lernt das Gesehene immer besser zu verstehen und zu deuten.

Die mittlere Welt: ein Spiegelbild der alltäglichen Wirklichkeit

Der Zutrittspunkt in die Anderswelt erfolgt immer über das Spiegelbild unserer gelebten Wirklichkeit. Aus diesem Grund manifestiert sich die mittlere Welt auch in bekannten Formen wie Wälder, Städte, Berge, Wüsten, Gewässer – alles, was uns vertraut erscheint, finden wir auch dort. Doch diese Vertrautheit sollte vor allem unerfahrenen Reisenden nicht die Vorsicht nehmen, denn die Mittelwelt beheimatet nicht nur die Menschen, Pflanzen und Tiere, sondern auch die Seelen der Verstorbenen und anderer Spirits und nicht alle sind darauf aus, zu helfen. Eine schamanische Reise in die mittlere Ebene der Anderswelt unterstützt dich bei der Kommunikation mit deinen Ahnen, Tieren und Pflanzen und kann Geübten dabei helfen, verlorene Gegenstände wiederzufinden. Denn wie bereits erwähnt, ist diese Ebene eine Spiegelwelt der tatsächlichen Realität.

Die untere Welt: das Reich der Ur-Instinkte und Krafttiere

Wer noch wenig Erfahrung mit schamanischen Reisen in die Anderswelt hat, sollte sich zu Beginn nur in der unteren Welt aufhalten. Hingegen gängiger, religiöser Mythen hat die untere Welt nichts mit der Unterwelt oder der Hölle zu tun, sondern ist ein wunderschöner und heilsamer Ort. Die untere Ebene der Anderswelt verkörpert die weibliche Urkraft, die uns alle nährt und inspiriert. An diesem wunderbaren Ort treffen Schamanen und ungeübte Reisende auf Naturgeister, Tiergeister und alle Arten von helfenden Spirits. Tief im Schoß von Mutter Erde fühlt man die starke Verbundenheit mit den archetypischen Kräften, mit dem Bewusstsein der Erde und kann seine Ur-Instinkte wecken. Die untere Ebene ist ein Hort der Inspiration, der Geborgenheit und der Kreativität, indem Reisende ihr Krafttier finden oder einen Helfergeist – mächtige Verbündete für den weiteren Lebensweg. An diesem Ort will dir niemand schaden und du bist in Sicherheit.

Die obere Welt: das Zuhause der Weisen und der Götter

Die Suche nach einem geistigen Führer kann es erforderlich machen die obere Ebene der Anderswelt zu betreten. Selbst erfahrene Schamanen betreten die obere Welt jedoch seltener als die anderen. Während man sich bei einer Reise in die Unterwelt tief in den Schoß der Erde vorwagt, steigt man bei einer Reise in die Oberwelt bewusst empor. Die obere Welt zeigt sich dabei meist in Wolken gehüllt oder als weißer, fast endloser Raum. Die Umgebung ist feinstofflich und ätherisch, ähnlich gängiger Vorstellungen des Himmels. Inmitten von Wolken und Sternen hausen die mächtigen Götter und spirituelle Lehrer oder Ahnen. Sie kann man um Rat und Führung bitten.

Die schamanische Drei-Welten-Kosmologie

Das tief verwurzelte Konzept der Drei-Welten-Kosmologie findet sich in vielen schamanischen Kulturen in Asien. Ähnlich wie das oben beschriebene Dreiwelten-Modell des Neo-Schamanismus ist der Weltenaufbau dieser Kulturen in drei vertikal übereinander-gelegte Wirklichkeiten gegliedert, die durch den Weltenbaum miteinander verbunden sind. Die Grenzen zwischen den drei Welten sind durchlässig, so dass Wesen sie durchschreiten können. Früher galt dieses Privileg allen Menschen, doch irgendwann ertrugen die Geister den ständigen Kontakt mit den Lebenden nicht mehr, so dass nur noch wenige Auserwählte schamanische Reisen vollziehen durften.
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Die schamanische Reise: Eintritt in die Anderswelt

Betrachtet man das Wirken traditioneller und moderner Schamanen, so wird schnell klar, dass sie vor allem als Mittler zwischen der Anderswelt und der realen Welt fungieren. Die Arbeit in der Geisterwelt kann sogar als spirituelle Kernpraxis eines Schamanen gesehen werden. Dazu schicken schamanisch Praktizierende einen Teil ihrer eigenen Seele auf eine Reise in die Anderswelt und tauchen dabei bewusst in diese andere Wirklichkeit ein. Auch wenn man nicht unbedingt ein ausgebildeter Schamane sein muss, um eine schamanische Reise in die Anderswelt antreten zu können, so erfordert diese Praxis viel Übung und sollte stets mit einem großem Maß an Respekt vor den Wesenheiten der Anderswelt begangen werden. Ein Schamane kann sich einer Vielzahl an Hilfsmitteln bedienen, um den Eintritt in die Anderswelt zu erleichtern. Das rhythmische Schlagen der Schamanentrommel ist ein häufiges Mittel, um einen Trance-Zustand zu erreichen, in dem es leichter fällt, die stoffliche Welt im Geiste zu verlassen. Der Trommelschlag symbolisiert dabei das schlagende Herz von Mutter Erde und die Schwingung der Trommel synchronisiert den Herzschlag des Schamanen mit jenem des Kosmos. Doch auch andere schamanische Utensilien können dabei unterstützen, den Trance-Zustand zu erreichen. Der Klang einer Rassel oder eines Didgeridoos oder auch das bloße Lauschen von Naturgeräuschen während einer tiefen Meditation wie das Rauschen des Windes oder das Fließen eines Baches. Auch Gesang kann dabei helfen, leichter in die Anderswelt zu gleiten. Darüber hinaus gibt es Tage, an denen der Schleier zwischen unserer Realität und der Geisterwelt dünner als üblich ist, was eine schamanische Reise zusätzlich vereinfacht. Die keltischen Jahreskreisfeste wie Samhain, Imbolg, Lughnasadh oder Beltane werden als Schwellenfeste bezeichnet, weil sie zwischen den Jahreszeiten liegen und sich die Welten zu diesen Feiern einander annähern. Auch die Raunächte eignen sich für schamanische Reisen. Zu guter Letzt nutzen viele Schamanen besondere Kraftplätze oder spezielle Rituale, die den Übergang erleichtern.

Der Kontakt zu Geistern und Ahnen in der Anderswelt

Die Gründe für eine schamanische Reise in die Geisterwelt sind vielfältig. Meist jedoch, wird der erste Besuch der Anderswelt dazu genutzt, sein Krafttier oder seinen Helfergeist in der unteren Welt zu finden. Als spiritueller Helfer erleichtert dein Krafttier dir nicht bloß den Zugang zur Anderswelt, sondern unterstützt dich auch bei deinen Aufgaben in der realen Welt. Bei zukünftigen Reisen in die andere Wirklichkeit führt dich dein spiritueller Helfer, hilft dir bei deiner Heilung sowie bei der Beantwortung wichtiger Fragen und gibt dir Kraft. Er unterstützt dich auf deinem weiteren Lebensweg. Außerdem nutzen Schamanen die Anderswelt, um in Kontakt mit ihren Ahnen zu treten und ihr Ahnenfeld zu reinigen. Auch mit anderen Seelen und Naturspirits von Pflanzen, Tieren, Steinen und Bergen kann ein geübter Reisender in Kontakt treten, denn jeder Geist ist in der beseelten Anderswelt wahrnehmbar. Inmitten deiner Ahnen, deines Krafttiers und anderer spiritueller Wesenheiten, kannst du als Reisender Antworten auf wichtige Lebensfragen, Rat und Heilung erfahren, aber vor allem ist eine schamanische Reise immer auch eine Reise in deine eigene Seele und eine Technik, mit der du dich selbst besser kennenlernst. Erfahrene Schamanen können auch in die obere Welt reisen, um mit weisen spirituellen Führern und Göttern in Kontakt zu treten und von ihnen zu lernen.

Die keltische Anderswelt

In der keltischen Mythologie wird die jenseitige Welt oft als ungewöhnliches oder anderes Land beschrieben, das neben jener Welt existiert, in der die Menschen ihr Dasein fristen. Diese Welt kann an bestimmten Orten auch von Menschen – tot und lebendig – betreten werden, meist nur mit der Zustimmung der Götter, aber durchaus auch ohne deren Zustimmung. Die Anderswelt der Kelten wird oft als paradiesischer Ort dargestellt und als „Land der Jugend“ bezeichnet, wobei eine verstorbene Seele weder eine Belohnung, noch eine Strafe zu befürchten hat. Jedoch barg das Jenseits sehr wohl auch große Gefahren – schließlich konnte man selbst den Totengöttern über den Weg laufen. Auch Tiere und Pflanzen ließen ihre Seelen in das andere Land wandern und spielten eine wichtige Rolle in der keltischen Mythologie. Menschen, die Seelen ihrer Ahnen und die Götter lebten eng beieinander und tauschten sich aus. Die Nähe der Welten war derart groß, dass unachtsame Menschen während der keltischen Jahreskreisfeste auch ungewollt in die Anderswelt gelangen konnten und vice versa Feen, Geister, Elfen und andere Wesen aus dem Jenseits in die reale Welt gelangten. Die Herrscher der keltischen Anderswelt waren der einäugige Goll mac Duilb, König Tigernmas und Donn – Totengötter des keltischen Altertums.

Häufige Fragen über die Anderswelt

Je nach Kultur und Religion gibt es unterschiedliche Interpretationen und Namen für die Anderswelt. Meist handelt es sich um das Jenseits – also um eine spirituelle Welt, die direkt neben der unseren existiert. Bei den Kelten wurde die Anderswelt auch andere Welt, anderes Land, Anderwelt oder ungewöhnliches Land genannt. Oft wird sie auch als Geisterwelt oder nicht alltägliche Wirklichkeit bezeichnet. Bei den Germanen wurde die Anderswelt Walhall genannt, bei den Griechen und Römern Elysion.
Wir wissen heute, dass es große Gemeinsamkeiten in den Darstellungen der Anderswelt unterschiedlicher Kulturen gibt. Die Geisterwelt ist meist in drei Ebenen unterteilt: die untere Welt, die mittlere Welt und die obere Welt. Während die mittlere Welt eine Spiegelung unserer Wirklichkeit ist, beheimatet die untere Welt helfende Spirits wie Naturgeister und Tiergeister und die obere Welt spirituelle Führer und Götter.
Schamanen sind erfahrene Mittler zwischen der Realität und der Anderswelt. Jedoch kann jeder mit viel Übung lernen, die Anderswelt zu betreten. Dazu bedient man sich schamanischen Ritualen und Utensilien, die dabei helfen einen Trance-Zustand zu erreichen. So kann ein Teil der Seele im Geiste die Anderswelt betreten. Zu gewissen Zeiten nähert sich die reale Welt der Anderswelt besonders nah an, so dass der Schleier zwischen den Welten sehr dünn wird und ein Übergang leichter vonstattengeht.
Mit ausreichend Übung ist jeder Mensch dazu in der Lage, die Anderswelt zu bereisen. Jedoch sollte man zuvor von einem erfahrenen spirituellen Führer lernen, welche Gefahren eine Reise in das andere Land birgt. Die Techniken selbst sollten ebenfalls von einem erfahrenen Schamanen erlernt werden.
Betritt man die Anderswelt ohne geistigen Führer und unerfahren, so birgt die Reise durchaus große Gefahren. Die Sinneseindrücke können überwältigend und ungefiltert sein und den Reisenden überfordern. Er kann unvorbereitet auf verdrängte Erinnerungen oder manifestierte unterbewusste Probleme treffen. Auch böse Geister und Wesenheiten können angetroffen werden. Die Kelten gingen noch einen Schritt weiter und warnten vor Begegnungen mit Todesfeen, Totengöttern und Dämonen. Aus diesem Grund sollte man als Anfänger niemals ohne die Anleitung eines erfahrenen Schamanen den Schritt in die Anderswelt wagen.
Die Seelen unserer verstorbenen Ahnen wandern in die Anderswelt und sind dort anzutreffen. Als geübter Reisender kann man nicht nur in Kontakt mit seinen Ahnen treten, sondern auch um ihre Unterstützung bitten, sich ihre Kraft leihen und sein Ahnenfeld heilen.

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